Als Makler in New York und Berlin

Fünf Fragen an Kundenberater Kirk Sylvester

Kirk Sylvester hat als Makler in den USA gearbeitet, bevor er nach Berlin zog. Wir sprachen mit ihm über die Unterschiede auf dem Immobilienmarkt in beiden Ländern.

Seit wann arbeitest Du als Makler in Berlin?

Seit etwa drei Jahren. Davor habe ich zehn Jahre in New York City als Makler gearbeitet und auch einige Zeit in London.

Welche Unterschiede zwischen New York und Berlin sind dir als erstes aufgefallen?

Die Vorraussetzungen, um Makler zu werden sind in New York um einiges umfangreicher. Hier in Deutschland braucht man keine Ausbildung, um Wohnungen zu verkaufen. In den USA dagegen muss ein Makler strenge Anforderungen erfüllen. So muss er etwa Lehrgänge besuchen und zwei Prüfungen ablegen, um überhaupt eine Maklerlizenz zu bekommen. Jeder Arbeitgeber erwartet von einem Makler, dass er seine Stadt so gut kennt, wie ein Taxifahrer und seinen Kunden einen roten Teppich ausrollt.

Wie ist das in Deutschland?

Hier bekommt eigentlich jeder eine Maklererlaubnis, der persönliche Zuverlässigkeit und geordnete Vermögensverhältnisse nachweisen kann. Eine spezielle Ausbildung ist von Gesetzes wegen bislang nicht nötig. In den USA dagegen ist die Lizenz an strenge Kriterien gebunden. Sie kann entzogen oder eingefroren werden, beispielsweise, wenn ich schlecht über einen Konkurrenten spreche, die Zusammenarbeit mit anderen Makler verweigere oder unwahre Behauptungen über die zu verkaufende Immobilie, aufstelle. In all diesen Fällen muss ich zuerst Ethikunterricht nehmen, bevor ich wieder als Makler arbeiten darf.

Und was unterscheidet sich für den Kunden beim Erwerb oder Verkauf einer Wohnung?

Die Kaufabwicklung ist weniger bürokratisch und beansprucht dadurch auch weniger Zeit. Ich kann eine gekaufte Wohnung schon am nächsten Tag wieder verkaufen. Für den Verkauf wird in diesem Fall ein Fliptax, also eine kleine Gebühr, fällig. Hier in Deutschland dagegen muss man Spekulationssteuer zahlen, wenn man eine gekaufte Immobilie vor der Frist von zehn Jahren weiterverkauft, ohne drei Jahre am Stück selbst dort gewohnt zu haben. Diese kann bei bis zu 40 Prozent des Kaufpreises liegen.

Und wie schnell kann ich in die gekaufte Wohnung einziehen?

In New York kann ich quasi die Wohnung morgens kaufen und abends einziehen. Hier in Deutschland vergehen im Schnitt zwei bis drei Monate, bis ich die gekaufte Wohnung auch bewohnen kann. Vorausgesetzt, sie ist nicht vermietet. Sollte die Wohnung vermietet sein, kann es wegen der Sperrfrist Jahre dauern, bis der Käufer einziehen kann. So etwas wie eine Sperrfrist gibt es in den USA nicht.

Eine weitere Herausforderung für Makler in New York ist sicher der Straßenverkehr...

Ja, man braucht drüben sehr lange für die Wege durch die Stadt. Viele Makler in New York fahren Vespa, um schneller durch die Staus zu kommen. Insgesamt ist es in Berlin viel entspannter. Auch was den Dress-Code angeht, ist Berlin mittlerweile wesentlich lockerer. In NYC muss ein Makler einen Anzug tragen. Hier in Berlin sind unter Umständen auch Turnschuhe und Sneaker für Makler völlig in Ordnung.

 

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