Andere Länder, andere Sitten I Teil 2

Der Immobilienkauf geht in den USA sehr viel schneller

„Meiner Meinung nach wird in Amerika dem Immobiliengeschäft als Wirtschaftszweig größere Bedeutung zugemessen als in Deutschland“, sagt Kundenberater Kirk Sylvester, der als Makler in New York City und Berlin gearbeitet hat. Entsprechend stromlinienförmig seien die gesetzlichen Regelungen dort. Es ist sehr einfach, Immobilien zu kaufen oder zu verkaufen. Viel müheloser, als hier in Deutschland. Aber wie funktioniert das genau?

 

„Wer in den USA eine Immobilie verkaufen möchte, schließt einen Maklervertrag mit einem Makler, der sich daraufhin um den Verkauf des Objektes bemüht“, so Sylvester. Gleichzeitig dürfen in New York alle Makler ihren Kunden jede in der gesamten Stadt zum Verkauf stehende Immobilie zeigen und in Absprache mit dem beauftragten Makler verkaufen. Teilungsgeschäft nennt man das. Der Makler, der den Maklervertrag mit dem Eigentümer der Immobilie geschlossen hat und der Makler, der sie seinen Kunden verkauft, teilen sich die Provision. Diesen Teilungsgeschäften muss jeder New Yorker Makler gemäß des RLS universal co-brokerage agreement zustimmen.

 

Das ist in Deutschland anders. Hier sind Makler nicht zu Teilungsgeschäften verpflichtet. Der Trend nimmt allerdings zu. Auch darf ein Eigentümer hier mehrere Makler zeitgleich mit dem Verkauf seiner Immobilie beauftragen. Es steht dem Makler dann jedoch frei, ob und wie sehr er sich um den Verkauf des Objektes bemüht, es sei denn, er mit dem Eigentümer einen sogenannten „einfachen oder qualifizierten Alleinauftrag“ abgeschlossen, der ihn zu Verkaufsbemühungen verpflichtet, aber auch als alleinigen Makler zum Verkauf berechtigt. Die gängigste Variante ist der einfache Alleinauftrag, bei dem allerdings der Eigentümer das Objekt nach wie vor noch privat, ohne Provision und Hilfe des Maklers verkaufen könnte, anders als beim qualifizierten Alleinauftrag.

 

Insgesamt sind die Regelungen in den USA sehr viel mehr darauf ausgelegt, einem schnelllebigen Markt gerecht zu werden. „In den USA können Käufer den Kaufvertrag sofort unterschreiben. Und mit einem Check könne sie auch sofort bezahlen“, sagt Sylvester weiter. In Deutschland gibt es eine unumgängliche 14-tägige Bedenkzeit, wenn eine Privatperson eine Immobilie von einem Unternehmen kauft. Der Käufer muss in diesem Falle zwei Wochen warten, bevor er den Kaufvertrag notariell beurkunden darf. Der Gesetzgeber möchte der Privatperson so die Möglichkeit geben, den Kaufvertrag in Ruhe zu prüfen oder von einem Sachverständigen prüfen zu lassen.

 

Bis die gekaufte Wohnung bezahlt ist, können in Deutschland Wochen vergehen. Bevor der Notar den Käufer dazu auffordert, den Kaufpreis zu begleichen, bedarf es einiger Vorraussetzungen, unter anderem muss vom Grundbuchamt eine Auflassungsvormerkung zugunsten des Käufers eingetragen werden, sodass die Wohnung zwischenzeitlich nicht ein weiteres Mal verkauft werden kann. Das kann dauern. Eine Sofortbezahlung ist allerdings auch auf deutschem Boden möglich, mit Hilfe eines Notaranderkontos.

 

In diesem Fall wird der Kaufpreis an den Notar überwiesen, der es dann an den Verkäufer weiterleitet, wenn die vorgegebenen Vorraussetzungen erfüllt sind. Der Käufer bekommt dann die Wohnungsschlüssel bereits nachdem der Notar den Kaufpreis erhalten hat. Da für diese Art des Geldtransfers eine Gebühr fällig wird, machen wenige Kunden davon Gebrauch. In den USA dagegen müssen Käufer und Verkäufer gar nicht erst zum Notar. Es reicht ein Anwalt für Immobilienrecht.

 

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