Berlin entdecken⎹ Teil 3

Der Wedding

Der Wedding kommt als nächstes, bald wird er gefragt sein, wie Neukölln, raunt man in Berlin seit Jahren. Aber stimmt das auch? Wird der Berliner Ortsteil in Mitte - wie seit Jahren heraufbeschworen - in den Kreis der Szenekieze aufgenommen?

 

Der Wedding hat nicht das beste Image. Ein-Euro-Läden, Handyshops und türkische Supermärkte dominieren das Straßenbild. Von internationalen Ketten und Franchise-Unternehmen sieht man dagegen noch kaum eine Spur. Die Bevölkerung ist stark gemischt: 30 Prozent der Bewohner haben Migrationshintergrund. 40 Prozent der Weddinger sind auf Sozialleistungen angewiesen.

 

Aber er ändert sich, der Wedding. Vor allem Studenten und Kreative zieht es hierher. Und sie hinterlassen Spuren. Erste Szene-Indikatoren etwa sind die vielen Co-Working-Spaces, die in der vergangenen Zeit hier eröffnet haben. Über Laptops gebeugt, arbeitet hier die Kreativszene an ihren Projekten. Im „Raumteiler“ in der Türkenstraße etwa, in der „Spott-Box“ in der Seestraße oder im „Goodhood65“ in der Müllerstraße.

 

Wer viel arbeitet, muss auch gut essen. Und so eröffnen nach und nach die ersten schicken Cafés und trendigen Restaurants. Etwa das „Volta“ in der Brunnenstraße. Gastropub nennt sich das Konzeptrestaurant und bietet die bei Szene-Kennern so beliebte Fusion-Küche. Im Cafe Freysinn soll es den besten Kaffee der ganzen Gegend geben und in der Ex-Rotaprint-Kantine essen mittags nicht nur die Kreativen, sondern auch die Mitarbeiter des nahegelegenen Amtsgerichtes.

 

Weitere beliebte Treffpunkte heißen“ Studio 7“, „Restaurant Uferlos“ oder „Moritzbar“. Gut besucht ist auch das Eschenbräu, eine freundliche Privatbrauerei mit großem Schankraum und Biergarten, die Craft Beer und eigenen Apfelsaft bietet.

 

Zwar mussten die Anhänger des neuen Wedding einen herben Rückschlag hinnehmen, als das Vorzeige-Szene-Projekt „Stadtbad Wedding“ in der Gerichtsstraße wegen Brandschutzmängeln schließen musste. Doch wer weiß, vielleicht eröffnet schon morgen drei Straßen weiter der nächste hippe Event-Ort. In Berlin geht das schnell. Unser Fazit also: Es tut sich was, im ehemaligen Arbeiterbezirk, früher auch „Roter Wedding“ genannt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser Bezirk „hip“ ist.

 

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